Gedacht

Die Ich-Definition

15/08/2016

Kennt ihr das, wenn ihr neue Menschen trefft; diese klischeehafte Vorstellungsrunde – die manchmal auch als solche praktiziert wird, weil es der Rahmen der Begegnung vorsieht – oder die, die einfach unterschwellig vonstatten geht?

Ich steh’ nicht drauf. Nö.
Einfach nö.
Gar nicht.
Warum? Das wusste ich sehr lange selbst nicht. Doch gerade jetzt – okay, zugegeben, es ist etwa 3 Minuten her – klopfte es im Köpfchen. Also in etwa so:

  • Knock knock
    – Who’s there?
  • It’s me, your Unterbewusstsein, das gerade einen Ausflug in dein Gehirn macht.
    – Äh…? Oh. Ja. Hi. Nett dich kennen zu lernen! (So nach 25 Jahren… Hast dir ja ganz schön Zeit gelassen, du Ar… – oh… äh… ‘tschuldigung.)

Und dann schnatterte es los, das Unterbewusstsein. (Ganz ohne Vorstellungsrunde, OLÉ!)
Der Grund, warum ich Vorstellungsrunden nicht mag – oder auch, warum ich es in fact nicht mag, eine (z.B.) uralte WhatsApp Unterhaltung wieder aufleben zu lassen? Man muss sich erklären. Man muss in eine Schublade passen – oder wieder. In eine Schublade, die schon einmal für einen angelegt wurde. Inklusive Werten, Normen, Ansichten, Meinungen. Aber genau diese Dinge können sich im Laufe der Zeit verändern. Und das ist gut so! Oder hättet ihr noch Bock darauf in einer Höhle zu leben oder als Frau (sorry, Männer, euch muss das erste Argument reichen) immer noch kein Mitbestimmungsrecht/Wahlrecht zu haben?
Aber genau das erschwert die Vorstellung. Morgen kann ich nämlich schon ein anderer Mensch sein.
Oder nehmen wir die bereits staubbedeckte WhatsApp Unterhaltung; Menschen, die davor eure größten Unterstützer waren, könnten plötzlich zu Kritikern werden – im schlimmste Falle zu Feinden. Warum? Weil man aus seiner Schublade heraus gesprungen ist. Vielleicht nur für einen Tag. Vielleicht nur eine Woche. Aber vielleicht auch für den Rest seines Lebens.

Hallo. Ich bin Mona. Ich bin 25 Jahre alt. Ich komme aus A, wohne in B. Ich habe einen Vater, eine Mutter und einen Bruder.

Fakten. Fakten sind Fakten. Fakten bleiben Fakten. Daher ist dieser Teil der Vorstellung nicht wirklich aufregend (sowohl für einen selbst, als auch – mal ganz ehrlich – für den Gegenüber). Dafür gibt es doch Steckbriefe. Oder Lebensläufe. Oder ein Poesialbum aus der Grundschule. Oder – Achtung, mega sensationelle Feststellung! – FACEBOOK. Hach, Soziale Medien… Aber okay, das ist ein anderes Thema.

Ich finde es anstrengend meine Gedankengänge und meine Emotionen in Worte zu fassen, die mich vielleicht in den letzten Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren verändert haben. Manchmal erinnere ich mich ja auch nicht einmal selbst daran, was ich so gedacht oder gefühlt habe… (An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an den Gin Tonic, welchen ich vor 3 Jahren viel zu schnell getrunken habe.)
Aber wisst ihr, was ich noch mehr nicht mag? Also… man könnte schon sagen hasse? Diese unterbewusste Haltung anderer, aber auch die eigene (!), dass man in eine Klischeeschublade passen muss. Aber gut. Das läuft vermutlich unter menschlich. Denn mal ehrlich; wenn man weiß, was einen erwartet, ist auch leichter damit umzugehen. Ist die Schublade voller Gänseblümchen, flechte ich ein Blumenkränschen. Ist die Schublade voller Schnee, ziehe ich mich lieber warm an. Ist die Schublade voller Feuerwerkskörper suche ich lieber schleunigst das Weite.
BOOM.

Schubladen sind nicht schlecht. Sie können helfen Personen und auch Situationen, besser einzuordnen und bearbeiten zu können – doch muss es wirklich nur eine Schublade sein? Warum nicht zwei? Warum nicht fünf? Und warum muss da alles drauf stehen, nur nicht Ich?

Heute Abend habe ich eingesehen (…danke Unterbewusstsein! War nett dich kennen gelernt zu haben!), dass ich mich nicht in irgendeine Schublade zwängen muss. Die einzige Schublade, in welche ich passe – und passen möchte und sollte, ist die Ich-Schublade.

Hey, ich bin Mona. An einem Tag bin ich die mutigste und meist abenteuerlustige Person, die du je getroffen hast. An einem anderen Tag bin ich das selbstkritischste und leicht-verletzlichste Mädchen, dem du je begegnet bist. Ziemlich oft bin ich auch lustig – oder doof. Oder ausgeflippt! Aber im guten Sinne. Aber auch nicht immer. Manchmal bin ich auch ruhig und nachdenklich. Aber: Ich bin ich.
Und wer bist du?

*Anhang: Lebenslauf

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