Besucht

Göteborg

19/04/2016

Es gibt einen ungeschriebenen Schwedenmythos; das kann Mann, und auch Frau, einfach nicht bestreiten. Klassisches, zeitloses Design, ein einfacher, doch aufregender Stil und nicht zuletzt, eine hohe Lebensqualität, wird den Schweden ins Klischeeschublädchen gelegt. Unsere skandinavischen Mitmenschen haben sich im letzten Jahrzehnt stark hervorgehoben – vor allem in der Internetszene. Und ihre Popularität steigt stetig weiter.

Aber nicht nur die Schwedinnen und Schweden selbst sind beliebt, auch ihre Blogs, ihre Städte und nicht zuletzt: ihre Label. Blau-Gelb ist hipp, egal wohin man sieht.

Obwohl ich schon seit geraumer Zeit im skandinavischen Raum lebte, hatte ich es noch nie ganz über die Grenze geschafft, um mir selbst ein Bild vom vielumschwärmten Schwedenleben zu machen. Bis jetzt! Denn vor knapp einem Monat saß ich doch plötzlich im Fernbus nach Schweden.

Nächster Stop: Göteborg!

Was macht sie also aus, diese Schweden und ihr Land, dachte ich, als ich den Weg zu meiner Unterkunft angetreten war. Auf den ersten Blick: Nicht viel.
Nun gut, schallte es mir durch den Kopf, ich, als wanna-be Oslo’ianer, bin wohl doch schon ein wenig vom skandinavischen Lifestyle verwöhnt. Und tatsächlich; als ich es schließlich schaffte, die deutsche Kartoffel in mir zu reanimieren, fiel es mir auf: Die Schweden haben Stil!

Modesünden waren dort Seltenheiten. Und die Schweden, die mir begegneten, beherrschten es, ihr Outfit mit einem entscheidenden Accessoire abzurunden, das einem vor allem im mitteleuropäischen Raum eher seltener begegnet: Einem Lächeln.

Aus Hinterhöfen hörte man freundliches Geplapper, Kaffeetassen klirrten, ein Windstoß fuhr durchs Haar. Göteborg und seine Menschen sind schön, dachte ich. Eine entspannte Atmosphäre lag in der Luft. Negativität: Fehlanzeige. Kein Stress, kein Frust, keine Aggressivität.

Die Straßenbahnen sausten vorbei. Die Menschen darin gefesselt von ihrem Mobiltelefon – oder einem anderen, elektronischem Gerät. Ohne Fleiß, kein Preis, schalte es mir erneut durch den Kopf. Es hat einen Grund, warum Skandinavier am Bloggerhimmel scheinen. Sie sind vollzeitonline.

Und nicht nur der Stil der Menschen war fotogen, auch die Schweden selbst. Schöne Menschen, soweit das Auge sehen konnte. Fast schon frustrierend, diese Gene. Und auch ihre Stadt – in diesem Falle, Göteborg – zog gleich.

Verschnörkelte Balkone, bunte Dächer, kleine, versteckte Hinterhöfe, instand gehaltene Fasaden, saubere Straßen; das Auge hatte viel, an dem es sich erfreuen konnte. Der Schwede liebt das Detail. Auch das Interieur – ein wenig alt, ein wenig neu, ein wenig verschnörkelt und ein wenig geradlinig – war nahezu immer perfekt abgestimmt und überzeugte. Die Innenstadt von Göteborg: Blog-ready.

Zurück zum Schwedenstil. Wer ein erpropter Blogleser und Modefan ist, dem waren Monki, MTWTSS Weekday und Lindex schon lange ein Begriff. H&M mal außen vorgelassen.
Ich applaudierte den Schweden noch einmal still, die Schweden wissen, wie man sich einkleidet. Und nicht selten rundeten sie ihre, teils doch etwas designerangehauchte Garderobe, gekonnt mit ein paar alten Schätze ab. The place to be war daher, meines Erachtens, MTWTSS Weekday in der Kungsgatan 46. Dieser Shop bat nicht nur eine betrachtliche Auswahl an Exportschlagern, die jedes deutsche Kartoffelherz höher schlagen ließ, nein, er bat auch eine Second hand Abteilung! Eine Etage gefüllt mit guterhaltenen Klassikern aus längst vergangenen Zeiten. Fenomenal.

Freundliche, attraktive Menschen, eine friedliche und entspannte Atmosphäre und eine malerische Umgebung; auch auf den zweiten Blick schien es also tatsächlich so, als ob der Mythos vom schwedischen Lebensglück tatsächlich der Realität entsprach. Doch zwei weitere Checklistenpunkte standen für mich noch aus.

Ich bin ein – zugegebenermaßen nicht “professioneller” – Kunstliebhaber. Kunst- und Kulturangebote waren daher für mich unerlässlich auf meiner Liste.
In diesem Zuge besuchte ich das Göteborger Kunstmuseum, welches nur einen kleinen Spaziergang vom Stadtzentrum entfernt lag. Zugegeben: Das Gebäude imponierte. Der Inhalt leider weniger. Oder sagen wir: zumindest nicht durchgehend. Nett anzusehen, doch vor allem die Sammlung überzeugte mich nicht.

Doch auch dem, zugegebenermaßen sehr oberflächlich von mir geprüftem, Kunst- und Kulturangebot der Schweden konnte man eines nicht nehmen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis sprach für sich. Für nur 40 SEK erhielt ich nicht nur ein Ein-Tages-Ticket, sondern eine Jahreskarte (!!)! Und die Göteborger packten noch einen drauf: Dieses Ticket umfasste nicht nur den Zutritt zum Kunstmuseum, sondern auch zu vier weiteren, staatlichen Museen. Daumen hoch!
Leider lief mir am Ende die Zeit davon, um noch einmal Gebrauch von meiner Jahreskarte zu machen. Aber hey! Es ist ja erst April!

Ein weiterer, für mich unerlässlicher Aspekt der Lebensqualität, ist eine ausgewogene und frische Kost. Es heißt ja nicht umsonst Liebe geht durch den Magen.
Und dies ist wohl das Einzige, das mir in dieser Stadt widerstrebte. Leider. Als nicht-Garnelenfan, hätte ich mir ein breiteres Angebot an Nicht-Sandwiches oder -Burgern gewünscht. Aber hey: Vielleicht hatte ich nur zu wenig Zeit und habe an den falschen Stellen gesucht?

Natürlich hätte man unter dem Begriff der Lebensqualität noch ganz andere Dinge berücksichtigen können. Doch angesichts meines eher sehr kurzen Aufenthalts von 1,5 Tagen, erschien mir diese Checkliste gerade so als angemessen.

Im Großen und Ganzen bleibt für mich also nur zu sagen: Der Mythos existiert nicht nur, er ist Fakt. …zumindest in Göteborgs Innenstadt.

Weitere Impressionen meines Götenborg Aufenthalts gibt es hier zu sehen.

 

Abschließend möchte ich darauf aufmerksam machen, dass dieser Blogeintrag auf meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken basiert. Die geschilderten Meinungen können daher von anderen Erfahrungsberichten abweichen.

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